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Dienstag, 4. August 2020

Wroclaw - Gorzow Wielkopolski

Aufstehen, etwas zusammenpacken und mit der Techniktasche gleich zum Motorrad und im Koffer verstauen. Dann Frühstück,  ist ja im Keller. Das english breakfast lassen wir zurückgehen und ordern stattdessen ein Omelett. Bohnen und rosa Würstchen zum Frühstück, da vergeht es mir und der Morgen ist sozusagen schon gelaufen.
Wieder 3 Stockwerke hoch, nun hat Ralf einen Heimvorteil, seine Regensachen sind schon oben, meine im Topcase. Pfeif auf jeder Gang macht Schlank, alles muss nun in einem Gang zum Motorrad runter. Also Klamotten an, linker Arm Helm und Tankrucksack, rechts die Packtasche. So trabe ich die Abkürzung durch den Frühstücksraum und bin beim Blümchen. Tankrucksack dranfummeln. Packtasche in den Koffer.
Helm steht im Durchgang für die Raucher im Frühstücksraum. Regenkombi aus dem Topcase fischen und diese im Durchgang über die normalen Sachen ziehen. Dooferweise finde ich meine Regenhandschuhe nicht, also die ältesten und dünnsten Handschuhe an, in der Hoffnung das die irgendwann mal trocknen. Als wir endlich loskönnen bin ich schon wieder durchgeschwitzt und überlege ob es Schweißtropfen sind die mir den Rücken runterlaufen oder die ersten Regentropfen. Das ein Porsche die Ausfahrt versperrt ist nicht gerade förderlich für meine Laune.

Nowa Sal
Dann erstmal tanken fahren, das geht fix und ich beherzigen Ralfs Rat und zupfe einige Dieselhandschuhe ab und ziehe ein Paar über die nassen Endurohandschuhe.
Strömenden Regen, Straßenbahnschienen, Pfützen die Löcher verstecken, Kopfsteinpflaster und Markierungen - SUPER - einfach alles nur glitschig.

Ohne Navis hätten wir wohl nix zum unterhalten. Ralfs will auf die 8 meins nicht, der Unterschied ist das ich Autobahn und Mautstrassen ausgeschlossen habe und er nur Autobahn. Deswegen wäre er theoretisch schneller am Ziel obwohl mehr Kilometer. Wir entscheiden uns meinem zu folgen. Weniger Kilometer bei gleicher Zeit. Leider wußte das Zumo nicht das die Ausfallstrasse eine einzige Baustelle ist, so einen Kilometer fahren und dann vor einer roten Ampel stehen und dann wieder etwas fahren.

Zucker und raus aus den Regensachen
Irgendwann sind wir aus dem gröbsten raus und halten uns Richtung Nordwest, da wo am schnellsten der Regen durch sein soll. Ralf sucht ein Café und bei einer Runde durch den Ort lege ich mich auch ab. Voll eingeschlagen und Bremsen ist keine so tolle Idee. Aber mir wird schnell geholfen, dafür ist die Halterung vom SW-Motech, das Hufeisen abgebrochen. Tankrucksack läßt sich aber noch einrasten. Also weiter. Irgendwie sehen wir hier kaum ein Cafe, selbst Bäcker oder Konditoreien sind selten, dafür ganz viele Autowerkstätten.
Die Straßen sind abwechslungsreich, wellige Alphaltwege, Löcher, Kopfsteinpflaster mitten im Wald und auch gern genommen Kopfsteinpflaster mit Sand. In Nowa Sal entdecken wir endlich ein Cafe. Ich gönne mir ein Stück Torte für meine Nerven und einen Tee.

So gestärkt geht es weiter, und hier scheiden sich wieder die Navigeister, meiner will gradaus Ralfs links. Da die Verständigung grad nicht klappt fahr ich brav hinterher. Ralfs XT will Fähre fahren. So landen wir am Fluss. Die Fähre ist gerade abgefahren und wir warten bis sie wiederkommt. Hier hat es extrem viel Mücken, ich mach den Helm zu und hoffe das die Viecher die Löcher in den Handschuhen nicht finden. Die Fähre ist zurück und wir setzen über, diese Verbindung kostet keinen Zloty, ob das wie in Frankreich ist, die Fähre kostet weniger Geld als eine Brücke?


Wir rollen weiter an langen Feldern und Backsteinhäusern vorbei. Dann ein Bunker, und ein Schild Ostwall. Wir verständigen uns darauf egal wohin das Navi will, wir folgen dem Ostwallschild. Ralf will noch einen caffe und ich meine bei so einer Sehenswürdigkeit gibt es bestimmt Souveniershops und ein Cafe. Falsch gedacht - Wiese, Parkplätze eine Schranke und ein Kassenhäuschen. Die letzte Tour haben wir grad verpaßt. So spendiere ich uns eine Orangina aus dem Topcase und wir beratschlagen was wir weitermachen.



Es ist mittlerweile 15:30. In Booking suchen wir uns ein Hotel noch 60 km entfernt, das ursprünglich geplante Stargrad streichen wir.
So sind wir kurz nach 17h in Gorzow Wielkopolski im Hotel Gracja. Das Hotel liegt in einem Park und ist von außen nicht als solches erkennbar. Zweiter Stock mit Aufzug - das ist toll.


Frischmachen und in der Stadt ein Abendessen fangen, wir landen bei Sofra ein türkisches Restaurant mit schönen Außenbereich am Marktplatz und immer gut beucht. Das ist meist ein Indikator für gute Küche. Alle anderen Lokale die wir uns angeschaut haben waren leer.
Den Geocache am Rückweg finde ich nicht aber dann ins Zimmer und beim tippen den Tag Revue passieren lassen.
Plan für morgen ist der TET - also an kucken und schauen ob wir den wirklich fahren wollen ansonsten ist das nächste Ziel Danzig.

Noch eine kleine Geschichtsexkursion, da Ralf und mir diese Stadt nichts gesagt hat, früher hieß sie Landsberg an der Warthe und war somit eine Grenze des Ostwalls der ja auch Festungsfront Oder-Warthe-Bogen heißt.
Im Januar 1945 nahm die Rote Armee die Stadt kampflos ein, infolgedessen kam es zu Bränden, Plünderungen, Vergewaltigungen und Erschießungen. Ein Großteil der Bevölkerung wurde zur Zwangsarbeit ins nahe gelegene Arbeitslager geschickt. Im März wurde die Stadt zu Grozow Wielkopolski umbenannt und im Juni die meisten Einwohner vertrieben. Die neuen Einwohner kamen aus der Region Großpolen.
Die Stadt sah für uns etwas heruntergekommen oder vergessen aus. Davon zeugten auch 2 Stadthäuser, die wohl leer stehen und verrammelt sind, aber neue Schilder haben das sie historisch bedeutsam sind. Wahrscheinlich schützen die Plaketten vor dem Abriss, allerdings gibt es auch Villen die komplett restauriert sind.


Montag, 3. August 2020

Wroclaw - unterwegs auf Zwergenjagd

Auf Zwergenjagd
Wie es der Wetterbericht prophezeit hat. Es hat in der Nacht geregnet, das Wetterradar meint auch das es ab 10 Uhr den ganzen Tag nass sein wird.
Aber erstmal Frühstück, lecker bissl mehr Brot/Brötchen wären nett.
So warm wie gestern ist es auch nicht mehr, also Jeans und ich fische noch eine Regenjacke aus meiner Tasche. Ralf zieht mit der Motorradjacke los. Wieder ein Ticket für die Straßenbahn lösen und wir rollen ins Zentrum. An der Haltestelle Domininska steht ein Shoppingcentrum mit einem Media Markt, Ralf wollte sich noch eine zusätzliche HD kaufen um die Filme zu sichern.

Aber das machen wir später, erstmal fahren wir bis Rynek. Der Hauptplatz hier in Wroclaw. Es beginnt gerade zu schütten und wir flüchten in die Touristinfo um zumindest einen Plan zu bekommen. Vor der Touristinfo steht ein Zwerg, und da fällt mir wieder ein, das ich mal davon gehört hätte. Stimmt in der Touristinfo sind ganz viele Zwerge, auf Tassen, Tüchern und Taschen.
Weil das Wetter so mistig ist, erkundigt sich Ralf nach einer Stadtrundfahrt, und so sind wir die nächste Stunde unterwegs und lassen uns in einem Golfcart durch die Stadt chauffieren. Leider sind die Carts auf gutes Wetter ausgelegt, so werden wir hier auch nass aber weniger als wenn wir zu Fuß unterwegs wären. Fotos ehr weniger weil zu nass und ich wollte ganz selten aussteigen.

Sightseeing-Tour durch Wroclaw


Nach der Tour laufen wir über den Rynek und entdecken noch mehr von den Zwergen, im Souvenirshop gäbe es auch eine Karte mit allen Standorten der Zwerge. Angeblich auch als App, aber der QR-Code mit dem Link zur App erweist sich als tot. Egal, Ralf will jetzt nach einer Festplatte kucken. So laufen wir zur Galeria Dominikánská und im Mediamarkt finden wir eine Platte mit 2 TB, leider keine 4 oder 5 TB aber es wird wohl reichen. Ich kaufe mir einen Klappschirm - ist standardmäßig nicht in meiner Packliste für mein Motorrad.
Nun geht es weiter zur Hala Targova, hier einen Rundgang zum Fotografieren und dann an einem der Stände Mittagessen. Wir kennen es aus einigen Ländern wo es noch Markthalle gibt, das man dort zur Mittagszeit gut und günstig essen kann.
Fleischpflanzerl mit Stopfer und rote Beete und Hahnchenschnitzel mit Sesamkruste, Stopfer und rote Beete Salat und ein Glas Kompott für 23 Zloty - da kann man garnicht meckern.

Hala Targowa



Mein Souvenir aus Wroclaw
Weil es sich immer mehr einregnet, entschließen wir uns für eine Mittags-Trockenlegungspause im Hotel.
Im Hotel suche ich mal nach der App für die Zwerge, gefunden. Super mit Karte. Über 500 tummeln sich im Stadtgebiet.
Der Ursprung der Zwerge kommt aus den 1980er Jahren als die politische Oppositionsbewegung "Orangene Alternative" mit spontanen Aktionen (z. B. Demonstration im Zwergenkostüm) Kritik am kommunistischen Regime übte, und einen gusseisernen Zwerg aufstellte. Mehr Infos hierzu bei Wikipedia. Allerdings haben sich mittlerweile auch Werbezwerge unter die anderen gemischt.

Während Ralf sich trocken legt scroll ich begeistert durch die App was für Zwerge es alles gibt, sogar ein Motorradzwerg. Zumindest den will ich besuchen.

Nachdem wir wieder etwas trocken sind, bringe ich Ralf dazu mit mir auf Zwergenjagd zu gehen. Diesmal zieht er aber die kompletten Motorradsachen an. Seine Chucks bleiben zum trocknen auf dem Zimmer. Meine Gummiballerinas sind in der Zeit getrocknet, also dürfen sie nochmal raus, nur meine Mütze darf noch mit.

Diesmal steigen wir an der Swindska aus und nähren uns dem Rynek von einer anderen Seite. Erst den Motorrad-Zwerg und dann packt mich das Zwergenfieber, und da und dort ist noch einer und wenn wir um die Ecke gehen soll noch einer sein. Ralf grinst nur, zumindest ist Zwerge suchen einfacher als Geocachen.

Zwergenjagd




Wir machen einen Kaffeestop im Vinyl-Café und dann geht die Zwergensuche weiter. Nachdem wir den Rynek Kreuz und quer nach Zwergen abgesucht haben, plagt mich ein kleines Hungerchen. Muss kein Fleisch sein, so landen wir im Chinkalia im Rynek und gönnen uns Chachapuri, Tarhuna, Borjomi und Chacha.

Der Regen hat mittlerweile aufgehört und ein paar Zwerge auf dem Weg zur Straßenbahn besuchen wir noch.
Also trotz Regen ein erfolgreicher Tag.

Vinyl-Cafe

Chinkalia